• Josef Heimes

Funktionsketten Part 1 - Knie-Schmerzen

Aktualisiert: Mai 15

Hattest du schon mal Knie-Schmerzen? Falls ja, dann weißt du, dass das Ganze ca. so angenehm ist, wie sich den kleinen Zeh am Türrahmen zu stoßen. Das Knie schmerzt jedoch nicht, weil es da gerade Lust drauf hat. Häufig schmerzt das Knie einfach aus dem simplen Grund, weil es das "Opfer" zwischen Fuß und Becken ist. Was will ich damit sagen?


Unser Körper ist ein komplexes System mit einer Vielzahl von Funktionsketten. Dabei gibt es ca. 80 - 85 % aufsteigende Funktionsketten und 15 - 20 % absteigende Funktionsketten. Was genau eine Funktionskette ist, wird dir in Kürze klar, denn nun schauen wir uns an, wie Umknicken zu verschiedenen Arten von Knie-Schmerzen führen kann. Entsprechende Abbildungen findest du unter dem Text - für das Verständnis der Abbildungen ist der Text jedoch entscheidend. Also, let's go:


Funktionskette 1: Umknicken & Knie-Schmerzen


Jeder von uns ist schon mal umgeknickt - ob beim Sport, an einem Bordstein oder auf dem Weg von der Theke zu unseren Kumpels. Sagen wir, du knickst mit dem linken Fuß um. Wenn das passiert, reagiert dein Körper blitzschnell, indem er den Musculus peroneus longus, einen Muskel auf der Außenseite des Unterschenkels, massiv anspannt. Hierdurch will der Körper dem Umknicken entgegenwirken und die Bänder des Sprunggelenkes vor Überdehnung oder einem Riss schützen. Der M. peroneus longus ist wiederum an dem knöchernen Köpfchen deines Wadenbeins, der Fibula, "befestigt". Durch die massive Anspannung kann es nun vorkommen, dass der M. peroneus longus das Wadenbein etwas nach unten Richtung Fuß zieht.


Das Wadenbein-Köpfchen ist über den Musculus biceps femoris, einen deiner Beinbeuger auf der Oberschenkelrückseite ("Bein-Biceps"), mit dem Becken verbunden. Dadurch, dass das Wadenbein-Köpfchen nun weiter unten als üblich sitzt, wird der M. biceps femoris gedehnt. Das kann sich in einem Ziehen auf deiner Oberschenkelrückseite äußern und führt dazu, dass du in diesem Bereich verletzungsanfälliger bist. Da dein Körper stets schmerzfrei bleiben möchte, kompensiert er die Dehnung des M. biceps femoris damit, dass er die Spannung dieses Muskels erhöht - sowas nennt sich "Schutzspannung". Da der M. biceps femoris jedoch auch an deinem Becken "befestigt" ist, führt die erhöhte Spannung auf dem M. biceps femoris dazu, dass deine linke Beckenschaufel kompensatorisch nach hinten-unten gezogen wird. In schlau formuliert nennt man das dann "Ilium posterior".


3 Arten von Knie-Schmerzen durch ein "Ilium posterior"


Durch ein nach hinten rotiertes Becken vergrößern sich die Abstände zwischen dem Knie und den Befestigungspunkten mehrerer Muskeln der vorderen Oberschenkelmuskulatur am Becken. Diese Muskeln werden somit gedehnt und stehen unter großerem Zug als üblich. Und genau das löst Schmerzen am Knie aus.


1) Schmerzen an der Spitze der Kniescheibe - Patellaspitzensyndrom / Jumper's knee

Ist das Becken nach hinten rotiert, kommt der Musculus rectus femoris, der gerade Oberschenkelmuskel auf Zug. Da der M. rectus femoris an der Kniescheibe (Patella) ansetzt, erhöht sich der Anpressdruck der Patella. Gleichzeitig kommt mehr Zug auf den Übergang von der Patella zur Patellasehne - also an der Spitze der Kniescheibe. Das Ganze nennt man dann Patellaspitzensyndrom oder Jumper's knee.


2) Schmerzen an der Knie-Innenseite

Ist das Becken nach hinten rotiert, kommt auch der Musculus sartorius unter Zug, welcher vom Becken aus quer über deinen Oberschenkel und an der Innenseite des Knies entlang verläuft und kurz darunter, an der Innenfläche des Schienbeins (Tibia), ansetzt. Durch den Zug auf dem M. sartorius reibt dieser Muskel nun an der Innenseite des Knies. Durch die Reibung entsteht anschließend eine Reizung des M. sartorius, was zu Schmerzen an der Knie-Innenseite führt.


3) Schmerzen an der Knie-Außenseite / Läuferknie / Runner's knee

Ist das Becken nach hinten rotiert kommt ebenfalls der Musculus tensor fascia latae (TFL) unter Zug. Dieser Muskel verläuft an der Oberschenkel-Außenseite und geht in eine große Sehnen-Platte, den Tractus iliotibialis über. Der Tractus iliotibialis, welcher häufig auch als "IT-Band" bezeichnet wird, setzt wiederum an der Außenseite des Schienbein-Kopfes an. Der Zug auf dem M. tensor fascia latae überträgt sich nun auf den Tractus iliotibialis, welcher daraufhin am Knie reibt und somit gereizt wird. Diese Reizung führt zu Schmerzen der Knie-Innenseite.


Wie wirst du wieder schmerzfrei?


Wenn du eine oder mehrere der beschriebenen Knie-Schmerz-Formen hast, dann ist es für dauerhafte Schmerzfreiheit und eine optimal funktionierende Funktionskette entscheidend, dass du die Ursache des Problems und nicht die Symptome behandelst. Die Behandlung der Symptome wird dir lediglich kurzfristige Besserung bringen. Ein Kühlen des Knies oder beim Runner's knee das Rollen über die Oberschenkel-Außenseite bringt maximal kurzfristige Besserung. Nach spätestens 24 Stunden sind die Schmerzen jedoch wieder zurück, da der Körper die Schutzspannung wieder aufgebaut hat, mit der er die Muskeln in der Funktionskette vor dem Reißen schützen möchte. Diese Schutzspannung lässt erst nach, wenn die Ursache gelöst wird - danach lösen sich die Probleme in der Funktionskette von ganz allein. Im Falle des Umknickens bedeutet das, dass du den M. peroneus longus lockern musst, beispielsweise mit einer Faszienrolle, einem Faszienball oder einem anderen Triggertool. Hierdurch "wandert" das Wadenbein wieder ein wenig nach oben. Das führt dazu, dass weniger Spannung auf den M. biceps femoris kommt, wodurch das Becken wieder in Neutralstellung rotiert. Und schon ist der Zug vom Knie runter und du wahrscheinlich schmerzfrei :)


Was möchte ich dir zum Thema "Schmerzen des Bewegungsapparates" vor allem mitgeben?


Die Ursache für Schmerzen liegt oftmals nicht in dem schmerzenden Körperteil selbst (siehe oben). Oft sind die Schmerzen Folgen von Dysfunktionen in Funktionsketten. Ziel ist es, die ursächliche Dysfunktion aufzulösen, damit sich die Funktionskette wieder in ihren Normalzustand versetzt.

Bitte bleib nicht im "Stufe-1-Denken" und lass dir sagen "Dein Knorpel im Knie ist minimal abgenutzt, daher rühren die Schmerzen" - das ist oft zu einfach. Ein minimal abgenutzter Knorpel muss nicht zu Schmerzen führen. Ich spiele seit fast 20 Jahren Fußball und mache sehr viel Sport. Mein Knorpel war laut einem MRT-Bild von vor 6 Jahren minimal abgenutzt - bis dahin hatte mein Knie aber auch schon locker 15 Jahre Sport auf dem Buckel. Das Ganze ist wie eine Straße, die 15 Jahre lang befahren wurde: Die Straße hat hier und da vielleicht auch mal eine leichte Bodenwelle oder ein kleines Schlagloch - befahren kann man sie trotzdem noch ohne Probleme. Das Problem ist: MRT-Bilder, die einen minimal abgenutzten Knorpel o. ä. zeigen, werden oft als Begründung für die Schmerzen herangezogen, weil es so schön einfach ist. Wenn ich dir aber jetzt ein Bild vom strahlender Sonne und blauem Himmel in Barcelona zeigen würde und dich frage, wie viel Grad es dort dem Bild nach zu urteilen wohl sind, könntest du mir die Frage beantworten? Nein. Es kann ein kalter Wintertag mit 4 Grad oder ein heißer Sommertag mit 37 Grad sein. Gleiches gilt für "medizinische Bilder": Ein minimal abgenutzter Knorpel im Knie auf deinem MRT-Bild kann deine Schmerzen erklären, muss er aber nicht. Ein leicht abgenutzter Knorpel kann auch einfach bedeuten, dass du dich in deinem Leben viel bewegt hast. Die Schmerzen können von ganz wo anders kommen - ich werde dir in den nächsten Wochen weitere beispielhafte Funktionsketten zeigen :)


Und für dich gilt: Falls du Beschwerden an deinem Bewegungsapparat (Gelenke, Muskeln, Bänder, etc.) hast, kannst du dich gerne bei mir melden - wir machen dann gemeinsam einen Funktionscheck, mit dem wir Dysfunktionen aufspüren und behandeln können, damit du wieder schmerzfrei wirst und dein ganzes Potential ausschöpfen kannst :)


In diesem Sinne - bleibt fit und schmerzfrei

Josef


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